Krippenführung in Kevelaer
  
Dienstag  09.01.2007  
 
Treffen um: 18:30 Uhr
Treffpunkt: Galerie Kocken, Hauptstrasse 21
 



 

BERICHT

Frau Renate Wynants-Brocks, Gästeführerin des Verkehrsvereins Kevelaer und Umgebung e.V., begrüßt die Freundinnen, Freunde und Gäste des RC Kevelaer i.G. in den Räumen der Galerie Kocken. 

Begleitet von Kerzenlicht geht es zunächst durch den sehr dunklen Weg entlang des Niederrheinischen Museums für Volkskunde und Kulturgeschichte. Renate Wynants-Brocks stellt das Museum und die wichtigsten Bereiche des Museums kurz vor. 

Erste Station ist die Krippendarstellung im Petrus-Canisius-Haus am Luxemburger Platz. Diese Krippendarstellung wurde aus einem Stein vom Künstler Washington Mzonsa geschlagen. Charakteristisch sind die afrikanischen Züge der Hl. Familie und das enge Beieinander der drei Personen. Maria und Josef stehen eng beieinander und halten das Jesuskind gemeinsam. Künstler und Material kommen aus Simbabwe. Freund Herbert Kocken gibt weitere interessante Detailinformationen zum Künstler und seine Arbeit. Das Material wurde in groben Steinbrocken als Containerware angeliefert; die Darstellungen –Shona-Skulpturen- wurden in Kevelaer vor Ort gearbeitet. 

Zweite Station ist die Orth. Kapelle in der Amsterdamer Straße. Frau Stefka Michel ist persönlich anwesend und stellt die Krippendarstellung vor. Die Krippendarstellung ist hier als Mosaik oberhalb des Altarraumes zu sehen. Der Künstler Naumez hat Maria in einer dunklen Grotte, die Maria umschließt dargestellt. Sinnbild soll  die dunkle Welt und Jesus als das Licht der Welt sein. Typisch ist hier die Darstellung Josefs. Er steht bewusst im Abstand zu Maria und dem Jesuskind. Die abgewandte Darstellung kann auch als Darstellung des „tief beeindruckten Josefs“ gesehen werden.

Frau Michel öffnet das Gittertor der Kapelle, um so einen kurzen Einblick und Überblick über die Orth. Kapelle zu erhalten.

In der Kerzenkapelle erleben wir eine traditionelle und sehr kleinteilige Krippe. Alle Figuren sind sehr liebevoll gekleidet. Der Krippenstall, Stroh gedeckt, soll die Armut versinnbildlichen. Ins Augenmerk fallen hier die Darstellung der unterschiedlichen Lasttiere, Pferd, Dromedar und Elefant. Diese Lasttiere stehen für die zur damaligen Zeit bekannten Erdteile Afrika, Asien und Europa. 

Vor der Gnadenkapelle wird die hier als Bronzerelief dargestellt Krippe erläutert. Die Bronzeplatte ist unterhalb des Altares angebracht und sehr dunkel, nur wenig beleuchtet. Dieses erfordert das genaue Hinsehen. Das Bronzerelief, so erfahren wir, ist vom Kevelaerer Künstler Renard ca. Ende des 19. Jahrhunderts erstellt worden. Die drei Waisen symbolisieren die drei unterschiedlichen Lebensalter der Menschen. Überraschend ist die Darstellung eines Hirten mit Dudelsack, ein für unseren Bereich eher unübliches Musikinstrument. 

Im Innenhof stellt Frau Wynants-Brocks kurz das Tor der Versöhnung vom Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim vor. Gerresheim hat in Kevelaer viele Werke geschaffen und dies sollte lediglich als kurzer Hinweis auf diese interessanten Werke sein, die vor allem viel Zeitgeschichte enthalten.

In der Beichtkapelle finden wir das Jesuskind in sehr schlichter Form unmittelbar vor dem Altar. Der Künstler Dinnendahl hat eine für die 60er Jahre typische gradlinige Form gewählt. „Die Zentralaussage ist wichtiger als alles Umstehende“.

Hinzuweisen ist aber auch auf die Haltung der Hände und Arme des Jesuskindes: Zum einen sicherlich wie ein schlafendes Kleinkind, zum anderen aber auch in der Hand- und Armhaltung des Priesters bei der Feier der Messe oder auch die Haltung bei der Kreuzigung.

Den Abschluss des Krippenrundganges bildet die große und umfangreiche Krippe in der Marienbasilika. Ein großer holzgezimmerter Stall, das Holz stammt vom elterlichen Bauernhof des Pastors Schulte Staade, beherbergt die Hl. Familie. Dieses ist die größte und reichhaltigste geschmückte Krippe in den Kevelaerer Kirchen. Ein schwarzes Schaf steht h für die „schwarzen Schafe“ in unserer Gesellschaft, ein Ziegenbock für den „einen, der immer was zu meckern hat“. Bezeichnend sind hier auch die unterschiedlichen Gaben, die zur Krippe gebracht werden (Lebensmittel, Fell zum Wärmen, Flötenspiel).

Aus Stroh aus der Krippe –Material ohne Wert- basteln die Ordensschwestern Strohsterne und stellen somit einen wertigen Gegenstand her, der die ganze Kirche schmückt.

Die Krippendarstellungen in der St. Antoniuskirche und der Klarissenkirche werden heute nicht besucht, da dieses den Zeitrahmen sprengen würde.

 

 

PROGRAMM:
Freund Herbert Kocken begrüßt die Mitglieder des RC Kevelaer i.G. mit einem Glas Sekt in den Räumlichkeiten seiner Galerie.

Anschließend startet der gemeinsame Krippenrundgang durch die Kirchen und Kapellen am Kapellenplatz.

Krippen gehören für viele genauso zu den Festtagen wie der Tannenbaum. Aber nicht nur in der heimischen Wohnung, sondern auch in den zahlreichen Kirchen der Marienstadt stimmen Krippen auf die besondere Jahreszeit ein.
Die Teilnehmer der Krippenführung erfahren Wissenswertes über die Entstehungsgeschichten, aber auch zu den Personen, die den Kirchen einzelne Figuren oder gar komplette Krippen gestiftet haben. Auch auf den besonderen Symbolcharakter zahlreicher Bestandteile der Krippen wird die Gästeführerin hinweisen.

Viele Geschichten gibt es um die Krippen der Marienstadt. So ist die Krippendarstellung der Gnadenkapelle ein Bronzerelief von ca. 1892, das von einem Künstler in Kevelaer gegossen wurde. Bei der Basilika-Krippe spielen ein schwarzes Schaf und eine Ziege eine besondere Rolle.
Deutlich anders in der Darstellung ist die Figurengruppe des Petrus-Canisius-Hauses. Dort trägt die Heilige Familie afrikanische Züge und Tracht.

Überrascht wird man bei dieser Führung über die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Krippendarstellungen sein.
 

Das Meeting schließt
am offenen Kamin bei deftigen, niederrheinischem Essen,
Hotel „Goldener Löwe“, Amsterdamer Straße 13